Photographiert habe ich heute nicht. Nichts, was sich angeboten hätte außer dem ausgelutschten Thema Wellen an langem, sonnigem Mittelmeerstrand bei Sète.

Meine Tour führte reibungslos nördlich von Vic bis Ripoll, der ersten Station auf der Karte links unten. Und je mehr ich mich dem Col d’Ares , dem Grenzpass nach Frankreich, näherte, um so sparsamer haben die Spanier die EU-Mittel für den Bau dieser Straße verwendet.

Außer mir fuhr da wohl auch keiner auf dieser Straße nach Perpignan. Und genau auf dem Paß - aber wirklich auch kein Meter früher - tauchte ich in dichten Nebel ein.
Sicht ca. 10 m. Von Norden war eine französische Wolke gegen den Berg gestoßen.

Der aus dem Nebel auftauchende Hinweis auf anhaltend gefährliche Serpentinen (schmales Sträßchen, schlechter Teerbelag, keine Markierung, haarnadelscharfe Kurven!) half mir nur wenig. Ich tastete mich so 300 Höhenmeter tiefer und so bei 1.300m war der Nebel zur Wolke über mir geworden, die allerdings die Sonne nahm, die auf spanischer Seite bis zur Grenze herrlich geschienen hatte.

Je näher Perpignan kam, um so besser aber auch um so befahrener wurde die Strasse. Die Sonne war wieder da, es war warm und geblieben waren die tuffig-weißen Wolkenreste eines Regens, der wohl am Vormittag gefallen war.

Erinnerungen an Agde, die mit schlechtem Gewissen verbunden sind. Ulrike und ich waren 1973 ohne zu zahlen vom Campingplatz abgehauen.
Während ich mich der vorangekündigten Abzweigung näherte, spielte ich mit dem Gedanken, meinen über 90jährigen ehemaligen Französich- und Religions-Lehrer zu besuchen, der in Agde lebt.
Mit entsprechendem Willen hätte ich sicherlich seine Adresse ausfindig machen können. Ich habe es nicht getan. Sicherlich eine letzte Gelegenheit, die ich nicht genützt habe. In dem Moment, in dem ich mich entschied, weiter zu fahren, wußte ich, daß ich meine Entscheidung bereuen würde. Und dennoch bin ich nicht umgekehrt....

Auf der Haupttrasse fuhr ich an Perpignan und Narbonne vorbei, tauchte dann in die Altstadt von Béziers ein, aß ein Sandwich, trank ein kleines Bierchen unter den alten, begrünten Platanen und machte Pipi. Die Ausfahrt brachte mich direkt auf die Straße nach Sète. Vorbei an der Abzweigung nach Agde.

Ich fuhr - zum Xten Mal - die Strecke über die Landzunge und durch das irrsinnige Verkehrsgedrängel entlang der Corniche von Sète. Mit dem Moto kommt man besser durch.

Bei Montpellier auf die Autobahn - mal ein paar km machen -bei Nîmes wieder runter (Ausfahrt 22) und dann durch die Dörfchen der beginnenden Rhonemündung nach Orange , wo ich zum 4. Mal im Mercure abgestiegen wäre.

Occupée! Also ins IBIS, gleich nebenan. Auch OK und sehr sauber.

Und Morgen: Laut FIGARÓ wird das Wetter die beiden kommenden Tage bis ins Elsass hinein heiter bis wolkig, bevor es sich zum Wochenende hin deutlich verschlechtert.

Also morgen die Rhône hoch - tunlichst wenig Autobahn.

Etappe 6
 
 
Mittwoch, 25.04.2001 - 6. Etappe: Von Vic nach Orange.