Wieder ein anspruchsvoller Fahrtag - ich hatte es so gewollt. Es gibt eine einzige Nord-Süd-Querung der Sierra Nevada und die ist kaum ausgebaut, sondern eher als Sträßchen zu bezeichnen. Das ist wohl so gewollt, denn die gesamte Sierra Nevada ist als Naturpark gekennzeichnet. Und eben diese Verbindung hatte ich mir ausgesucht.

Mein Navi hat mir sozusagen "abgeraten" und immer wieder Vorschläge unterbreitet, wie ich denn von Nerja am besten nach Puerto der Lumbreras kommen könne: Über Granada und dann nördlich des Gebirgsmassivs nach Osten oder, wenn das schon nicht sein soll, dann die Küste entlang, also die Südkante der Sierra Nevada bis Almeria und dann nach Norden.

Mein Navi und ich einigten uns nach harten Vorgaben meinerseits wie folgt: Bis La Rábita entlang der Küstenstraße, dann ziemlich strikt nördlich in die Berge bis zu jenem Punkt auf dem Quer-Sträßchen, das die letzten Dörfer unterhalb des Massiv-Kammes kringelnd und kurvend verbindet, an dem ich 2004 von Jaén kommend Richtung Mojacár unterwegs das Foto rechts gemacht habe. Damals bin ich dort zurück ins Tal gefahren, während ich - wenn auch eine andere Strecke bis auf das letzte Stückchen - nun nach Osten auf eben diesem Sträßchen weiter gefahren bin - immer an der oberstmöglichen südlichen Unterkante des Nationalparks entlang. Dies so lage, bis ich den Zugang zum Passträßchen erreiche und dort sollte es drüber gehen. Das sieht dann z.B. so» aus.

Auf der anderen Seite der Sierra angekommen, war mir der weitere Weg nicht sooo wichtig, so lange es nicht Autobahn war - gelegentlich nur auf kurzen Verbindungsstrecken akzeptiert, so weit unvermeidlich.

Und so fuhr ich heute bei fast durchgängig bedecktem Himmel, was der Fotoausbeute wirklich schadete, denn ich fuhr gerade oben in den Bergen durch Landschaften mit phantastischen Ausblicken und kulissenartigen Staffelungen hintereinander liegender Bergrücken-Verläufe, die darszustellen sich angeboten hätte, wenn, ja wenn das Licht nicht alles flach gemacht und auf eine Ebene zusammengezogen hätte. Und dann sind solche Bilder aus- und eindruckslos.

Aber von vorn. Noch weiß ich nicht, welche Bauern die schlaueren waren: Die, die den Baulöwen ihr nutzloses Land südwestlich von Malaga verkauft haben, die Region, durch die ich vorgestern gefahren bin, oder die, die zwischen Nerja und Almeria - gesehen und fotografiert habe ich das bis La Rábia, wo ich nach Norden abbog - vergleichbares Gelände "intensivlandwirtschaftlich" nutzen.

Plastikwelten Plastikwelten
Plastikwelten Plastikwelten
Plastikwelt Plastikwelt
   

Das sind die, die dort die Landschaft mit Plastikfolie überziehen - Christo müsste seine Freude haben, weil die endlos Land verpacken. Darunter werden mit Hilfe der armen schwarzen Teufel, die bei der Suche nach Zuflucht im gelobten Land Europa nicht im Mittelmeer ertrunken sind und nun illegal in diesen Plastikwelten und dazwischen hausen, Dünger und Gift auf Gemüse und Obst ausgebracht, damit es gedeihen möge und nicht von Pflanzenschädlingen befallen werde. Natürlich um uns blassen Mitteleuropäern ganzjährig mit frischen Erdbeeren, Blaubeeren, Salaten und anderen vergifteten Früchten und Gemüsen das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Das ein oder andere Foto zeigt, wie ein hübsches südländisches Feriendorf am Strand doch mit der Plastikwelt in harmonischer Eintracht zusammen zu leben scheint unter dem Motto: Geht doch! Falls Interesse besteht: Auf einem Bild wird der Kauf einer solchen Parzelle angeboten. Anruf genügt. Sie liegt gleich neben dem attraktiv betongefassten Trockenflussbett.

Genug der Häme - es wurde schöner.

Hartes BrotHartes BrotOben in den Bergen, wo der Weg steinig, die Bewirtschaftung haarig wird. Als ich den Bauern mit Mula beim Pflügen fotografierte und mir den Boden besah, war klar: Das geht nur so oder garnicht. Entsprechend dünn besiedelt ist es da oben und gelegentlich habe ich mich gefragt, wovon die die Menschen in den Dörfern, von denen manche doch recht stattlich sind, leben - viel geht da eigentlich nicht.

unterwegsunterwegsBis ich den Punkt erreichte, den ich eingangs erwähnt habe, war einige harte Fahrarbeit, meist bergauf, eigentlich nie eben und immer auf schmalen, kurvigen Sträßchen, angesagt. Das hörte nicht auf bis auf der Passhöhe. Gelegentlich war die Strecke wirklich abenteuerlich und deshalb unangenehm, weil der Straßenverlauf hier nicht durch Ingenieurskunst elegant und rund in Felsen gefräst oder talüberbrückend gestaltet ist, sondern die Gegebenheit der Berghänge und Einbuchtungen nachgebildet sind und das ist eben nun mal motorradtechnisch nicht sehr harmonisch, sodass nie ein rundes, genüssliches Fahren stattfindet, sondern eher ein um die Kurven Gestottere mit ständigem Nachlenken und Korrigieren der Richtung.

Dazu kam, dass die Frühjahrsregen, die große Verwüstungen angerischtet haben müssen, auch hier das Bergsträßchen ziemlich erwischt haben. Kaum eine Kurve, die nicht noch von beseitigten Spuren von kleinen Erdrutschen durch Sand-, Lehm oder Kiesreste gekennzeichnet war, Straßenrandabbrüche, die nur provisorisch abgesperrt waren - stellenweise wirklich dramatisch, weil überraschend und unerwartet auftauchend.

BeweisfotoDennoch bin ich gut rauf und rüber gekommen über den Puerto de la Ragua, wo ich Joaquin Azparren Irigoyen, den Director der Radiostation "Onda Regional", Sitz Murcia, kennen lernte, der mit Damenbegleitung auf seiner dicken BMW K 1300 GT - dagegen ist meine ein kleineres Sportspielzeug - dort rastete und das Beweisfoto schoss.

unterwegsVon der restlichen Strecke ist nicht viel zu berichten. Es ging durch weites, staubiges Land mit gelegentlichen, bizarren Erdformationen, unterwegsdie mich begeistern. Mir ist heute klar geworden, dass ich der Ocker-Oliv-Typ bin. Ich liebe Ockertöne, Erfarben in ihren unendlichen Vielfalt von Tönungen zwischen ganz hellem, fast weißem Gelb bis hinüber zu dunkelbraun, was schon in schwarz absackt und all die Orange- und Rottöne, die dazwischen liegen. Wenn dann das Licht noch passt und olivfarbener Bewuchs in seinen ebenfalls vielen Schattierungen - wunderbar......

Mit dieser Erkenntnis bin ich in meinem Parador angekommen, dem ersten mit *** und entsprechend etwas kümmerlich - aber gut. Gleich morgen gehts weiter wieder an die Küste, wo ich dann vermutlich 3 Tage Regen im Parador de Jávea verbringen werde und mir dabei überlegen kann, wie's denn weiter gehen soll, mit meiner Reise.

Etappe 6
Profil
Nerja - Puerto de Lumbreras (Sonntag, 11.04.2010 - Etappe 9)
Beispiel