Heute habe ich mittags gegessen - im Parador meiner Wahl, dem mir sehr angenehmen Parador Ciudad Rodrigo. Über ihn will ich mich hier nicht auslassen, das habe ich bei meinem letzten Besuch schon schwärmerisch genug getan.

unterwegsunterwegsDie Fahrt hatte nichts groß Erwähnenswertes. Das Wetter war sehr angenehm: Sonnig, mal mehr mal weniger wolkig bei Temperaturen so zwischen 10° und 16° - je nach Tageszeit und Höhenlage. Denn nach einer Geradeausfahrt durch ein vermeindliches landschaftliches Nichts ohne jede Erhebnung oder Einschnitt - so zumindest ist der Eindruck - bis Cáceres ging es dann nordwestlich in karge Hügellandschaft, mal wieder nicht ohne einen seltsamen Schlenker, zu dem sich GARMIN verstieg.

StauseeunterwegsIch empfand, was ER mit mir tat als seine Art, mich für Unbotmäßigkeit zu strafen. (Oder hast Du nicht auch gelegentlich ein schlechtes Gewissen, wenn Du nicht machst, was die sympathische Stimme Deines Navi von Dir verlangt? Es ist doch ein Lebewesen! Deins etwa nicht?)

Tatsache ist: GARMIN wollte mich westlich an Cáceres vorbei führen und ich, statt zu gehorchen, fuhr in die Innenstadt hinein im Gefühl, mich einfach mal durchsetzen zu müssen. Und ich ignorierte also alles, was GARMIN wollte. Bis zu dem Punkt, wo ich genug gesehen hatte und ihm überließ, mich der von mir vorgegebenen Grundeinstellung folgend (kürzester Weg - keine Umkehr - keine Hauptstraßen) nun nach Ciudad Rodrigo zu führen.

StauseeDas tat er sehr gehorsam und führte mich 48,4 km auf einer abzweiglosen Nebenstraße durch die Pampa nach Süd-Ost. Ciudad Rodrigo lag aber unbestreitbar entgegen gesetzt: Nord-West! Die direkte Strecke, wie ich nun weiß, - Ausfall- und Hauptstraße nach Norden und daher von Garmin weisungsgemäß zu meiden!, - hätte ca. 4,8 km betragen.

Nun gut, dachte ich mir, lass ihn, er ist eben verärgert, und da ich ohnehin viel Zeit hatte, die Gegend, durch die er mich führte, endlich landschaftlich interessant und abwechslungsreich war, ließ ich ihm seinen Willen - auch wenn er zum Schluss wieder ganau dort einfädelte, wo wir schon gesesen waren, bevor ich ihm meinen Willen aufzwang.

RömerbrückeRömerbrückeAb dann wurde die Landschaft abwechlungsreich - von Stauseen (Der Tajo, in dessen Quelle ich vor wenigen Tagen nach abenteuerlicher Annäherung gespuckt hatte, war wieder da und speiste ein gigantisches, Römerbrückewenn auch sicher von Niedrigwasser gekennzeichnetes verzwicktes Stauwasser-Geflecht) über Römerbrücke bis bewaldete Berge mit einem Waldstück, wo ich unbedingt anhalten und Bilder machen musste, weil die Bäume nahezu durchgehend von Flechten in einer Form und Dichte überwachsen waren, dass darunter ein Leben der Träger-Bäume kaum mehr vorstellbar war.

Und jetzt, liebe Freunde, ist eine Siesta angemessen.... Nichts Neues - und danach beginnt das Leben.


Oster-Montag, 13.04.09 Tag in Ciudad Rodrigo -ein Osterspaziergang :-)

Ciudad RodrigoOster-Montag ist in Spanien kein Feiertag - das Leben geht wieder seinen Gang und ich habe erfolgreich Zahnpasta kaufen können. Gelegentlich eines ausgedehnten Spaziergangs, der zunächst in wärmender Sonne auf der geschlossenen Stadtmauer rund um die Altstadt führte.

Mir wurde die strategisch weitsichtige Lage der Stadt klar, die auf einem Hügel liegt, von dem man rundrum weit in die Ebene - die wegen des Rio Águeda fruchtbar ist - sehen kann. Heute sieht man zudem auf die baulichen Sünden in Form der Neubauten, die auch hier durch karnickelstallartige Architektur bestimmt sind und die sich wie ein Gürtel um Fuß des Hügels gelegt haben. Immerhin sieht man vornehmlich auf die Dächer.

Ciudad RodrigoDann bin ich kreuz und quer duch die engen und verwirrend angeordneten Gassen gestrichen, habe in Läden und Kneipen hinein geschaut und manchen blanco zu mir genommen, Zahnpasta gekauft und vergeblich ein weiteres Abziehbild für mein Motorrad verhandelt, sozusagen um eine Aufenthalts- und Fotografierberechtigung in diesem Kram-Laden zu haben.

Ciudad RodrigoPost in Ciudad RodrigoDabei ist es ganz schön, wenn, wie hier, die jüngeren Kriege vergleichsweise wenig zerstört haben mit der Folge, dass im Kernbereich der Altstadt, der durch die erwähnte Mauer, die auf der Kante entlang läuft, die Fläche sozusagen verteilt ist und nicht für Neubauten zur Verfügung steht. Das ist nicht ganz gelungen, aber weitgehend. Das hat z.B. zur Folge, dass die Post in einem ehemals sacralen Gebäude untergebracht ist und nach außen nichts auf die Nutzung hinweist.

Ciudad RodrigoRathaus Ciudad RodrigoWas ich auch als angenehm empfunden habe ist die Tatsache, dass die sehenswerte Altstadt mit beachtlichem bauhistorischem Bestand die Situation trotzdem nicht zu einer alles erschlagenden Touristisierung und daraus resultierender Verschandelung geführt hat. Das liegt vermutlich daran, dass Salamanca, das nur gute 60km nord-östlich liegt, den Tourismus wirksam an sich bindet und das Umland somit weitgehend "verschont" bleibt.

Ciudad RodrigoDas Leben ist normal, orientiert sich nicht an Gästen. Das sieht man im Innenleben der Geschäfte und Kneipen. Sie scheinen stehen geblieben, sind gewachsen und ich habe bei manchen den Eindruck, dass sie nur deshalb existieren können, weil sie keine "Renovierungsverbindlichkeiten" abtragen müssen, sondern der Ciudad RodrigoInhaber hinter der Theke und die Inhaberin im Kleiderladen unverändert, wie inden vorangehenden Generationen, davon leben, dass es sie so schon immer gab und man dort seine Zahnpasta, dort seine Unterhose und dort seine Chorizo kauft um dann in einer (und dann dieser und dann dieser) Kneipe seinen blanco zur Mittagszeit, seinen Tinto abends und dazu immer Tapas zu sich nimmt, weil man dort immer die gleichen Leute zur gleichen Zeit trifft, mit denen man tagtäglich die gleichen Neuigkeiten austauschen kann. Man kennt sich und lebt - der Fernseher unter jeder Kneipendecke läuft und keiner schaut hin, es sei denn eine Corrida oder Fussball werde übertragen.

Eingangsbereich ParadorSchön so ein Bummel - ich war gut drei Stunden unterwegs und habe gemerkt, dass so manch verschütteter Spanischer Begriff wieder auftaucht - z.B. dos huevos passados por agua zum Frühstück.

Der klare Himmel von heute Morgen ist inzwischen ziemlich durchgehend wolkenbedeckt - ich werde wohl mal die Packordnung in meinen "Zugriffs-Packstücken" anpassen und das Winterfutter in die Motorradjacke knöpfen. Die Wettervorhersage und der näher rückende Norden raten das an.

Ciudad Rodrigo hat sich mir als ein Spanien gezeigt, das noch nicht gemerkt hat, dass die Zukunft begonnen hat oder aber versucht, sie auszusitzen..

Etappe 7
unterwegs
unterwegs
unterwegs
Mérida-Ciudad Rodrigo(9./10.Tag: Sonntag/Montag, 12./13.04.2009 - 270km/4:30h - Etappe 7)